Unser Förster

eDie Forstbetriebsgemeinschaft Nümbrecht hat mit dem Landesbetrieb Wald & Holz NRW einen Vertrag über ständige tätige Mithilfe abgeschlossen.

Das bedeutet, dass unsere Mitglieder Anspruch auf kostenlosen Rat und Anleitung durch den zuständigen Revierförster haben. Auch bei entgeltpflichtigen Zusatzleistungen über den Landesbetrieb Wald und Holz NRW wie z.B. dem Erstellen von Holzlisten und Holzverkauf und dem Einsatz und die Kontrolle von Forstunternehmern, steht Ihnen der Revierförster mit Rat und Tat zur Seite.

Dieser, sowie der Geschäftsführer unserer FBG, erteilen Ihnen gerne nähere Auskünfte zu all Ihren waldbaulichen Fragen.

 

Unsere FBG schätzt sich sehr glücklich, dass die jahrezehntelange gute Zusammenarbeit mit dem Forstamt dank unseres

 

Revierförsters Herrn Malte Haase

                       (Diplom-Forstwirt)

 

weitergeführt wird. Seit 2013 ist er mit seinem Engagement, Know-How, seiner Zuverlässigkeit und Freundlichkeit ein unverzichtbarer Partner für unsere Mitglieder.

 

Unten auf dieser Seite können Sie ein Interview mit Herrn Haase zum Thema Borkenkäferbefall lesen oder es hier downloaden:

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Interview Malte Haase Mai 2019.docx
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Privat

Geboren wurde Malte Haase in Bad Berleburg im Kreis Siegen Wittgenstein, wo er fast 20 Jahre seiner Lebenszeit verbracht hat.

 

Er wurde sowohl durch seine Eltern, die aus der Landwirtschaft kommen, als auch durch die reizvolle heimatliche Landschaft mit ihrem sehr hohen Waldanteil und den recht extremen Klimaverhältnissen (lange Winter und kurze Sommerperioden) geprägt: Beides hat dazu beigetragen, dass er sich schon in jungen Jahren für den Wald und die Natur interessiert hat.

 

Mit fast 20 Jahren begann dann seine „Reisezeit“ - wie damals üblich in der Bundeswehr. Seine Garnison war in Braunschweig stationiert. Von hier aus ging es im Anschluss nach Hessen, wo sein Berufsweg begann.

Beruflicher Werdegang

Den Grundstein zu Herrn Haases Karriere legte ein forstliches Praktikum im hessischen Forstamt Frankenberg.

 

Dieses Praktikum war die Voraussetzung für ein Studium der Forstwirtschaft. Die Studienplätze waren sehr begehrt, die Anmeldezahlen hoch und die Wartezeiten dementsprechend lang.

 

 In dieser Zeit erfolgte auch seine Jägerausbildung, die ihn fast ein Jahr begleitete: Über eine „GREEN CARD“ musste er Nachweise über praktische Tätigkeiten im Jagdrevier, die Teilnahme und Vorbereitungen von  Hundeprüfungen und Jagden etc. erbringen und die Jägerprüfung ablegen. Diese führte dann zum Erhalt des Jagdscheins.

 

Nach Beendigung des Praktikums arbeitete er ein Jahr lang als Waldarbeiter in Hessen und überbrückte das restliche Dreivierteljahr der Wartezeit bis zum Erhalt der Studienzulassung in der Produktion einer Fabrik.

 

Diese kam im Herbst 1986, und das Studium an der Fachhochschule Hildesheim/Holzminden (heute HAWK Fakultät für Ressourcenmanagement in Göttingen), das er in der Regelzeit von sechs Semestern beendet hat, begann. Anschließend bewarb er sich als Anwärter nach Nordrhein-Westfalen.

 

Herr Haase kam zur weiteren praktischen und theoretischen Ausbildung ins damalige Forstamt Mettmann, welche er mit der bestandenen Anwärterprüfung erfolgreich abgeschlossen hat.

 

Es folgten die Stationen der damaligen Höheren Forstbehörde in Bonn, das ehemalige Forstamt in Waldbröl und aktuell das Regionalforstamt Bergisches Land.

Persönliche Worte

"Mein Bestreben war immer, eine Revierleitung im Privatwald übernehmen zu dürfen.

 

Das Glück hatte ich, als im ehemaligen Forstamt Waldbröl eine Revierleiterstelle frei wurde. Seit dieser Zeit war ich forstlich im Raum Gummersbach -  Eckenhagen unterwegs.

 

Meinen hoffentlich letzten Wechsel hatte ich dann 2013, als das Revier Nümbrecht ausgeschrieben wurde.

 

Da ich schon mit meiner Familie seit 1994 in Hömel wohne, lag es nahe und war auch mein Wunsch, mich auf dieses Revier zu bewerben.

 

Es hat geklappt, und nun hoffe ich, dass ich mich noch viele Jahre aktiv für den Wald und deren Besitzer einbringen kann."

 

Malte Haase, Februar 2018


interview mit Revierförster Herrn Haase zum Thema Borkenkäfer

FBG Nümbrecht:

Herr Haase, das Jahr 2019 wird mittlerweile als „Käferjahr“ bezeichnet, weil sich aufgrund der Wetterbedingungen, die seit Anfang 2018 herrschen, mindestens drei Generationen des Buchdruckers entwickeln konnten. Diese Borkenkäferart kann Fichten innerhalb von wenigen Wochen absterben lassen. Können Sie uns etwas zu den Hintergründen sagen?

 

Herr Haase:

Begonnen hat das mit den Sturmschäden von Sturm „Friederike“ im Februar 2018, genau 10 Jahre nach Kyrill. Das Gebiet des Regionalforstamts Bergisches Land war stark betroffen. In unserer FBG Nümbrecht wurden rd. 1.000 – 1500 fm geworfen. Durch eine gezielte Aufarbeitungsstrategie konnten die anfallenden Mengen über das Jahr verteilt zu stabilen Preisen an die Säger vermarktet werden.

Leider machte uns dann ab Juni 2018 der trockene Sommer schwer zu schaffen.

Schon bald war zu erkennen, dass diese Trockenperiode zu weitreichende Schäden im Wald führen würde.

Die Sägeindustrie reagierte bald mit fallenden Preisangeboten.

Gerade weil sich das Schadereignis nicht allein auf unsere Region beschränkt, sondern auch angrenzende Bundesländer wie z.B. Hessen oder Rheinland Pfalz betrifft und viele Anrainerstaaten mit massivem Käferbefall zu kämpfen haben, wird es immer schwieriger, das Überangebot von Holz vernünftig am Markt zu platzieren.

Bei all dieser Misere muss aber gesagt werden, dass der Borkenkäfer immer ein Bestandteil unseres Ökosystems Wald war und ist.

Es gab schon in den letzten Jahrzehnten immer wieder größeren Schaden durch Käferbefall. Allerdings: So extrem wie im letzten und in diesem Jahr habe ich das in meiner langjährigen Arbeitszeit noch nicht erlebt.

 

Wie schlimm ist es in Ihrem Revier, dem Gebiet der FBG Nümbrecht?

 

Nümbrecht hat es noch nicht so schlimm getroffen wie Bereiche im mittleren Teil von Oberberg.

Gerade auf der Schiene Bergneustadt, Gummersbach über Engelskirchen – Lindlar sind erhebliche Schäden durch Käferbefall zu verzeichnen.

Aber in den letzten 8 Wochen werden auch in unserem Gemeindegebiet immer mehr Befallsherde erkennbar. Hier versuche ich, die Betroffenen ausfindig zu machen und zu informieren.

Ich kann nur hoffen, dass der Sommer 2019 nicht wieder so trocken wird wie im letzten Jahr.

 

Wurde neben dem Buchdrucker auch der Kupferstecher in Ihrem Revier gefunden?

 

Ja, der Kupferstecher kommt auch in einem nicht unerheblichen Maße vor.

Der Befall durch den Kupferstecher ist gut daran zu erkennen, dass die Kronenspitze vertrocknet. Die unteren Astquirle sind häufig noch grün – anders herum als beim Befall durch den Buchdrucker. Der Kupferstecher nistet nur im dünneren Bereich der Bäume.

Bei hohen Bäumen ist nicht immer eindeutig zu erkennen, ob der Kupferstecher der Übeltäter ist oder ob es sich um einen Trockenschaden handelt.

Meist geht später dann noch ein weiterer Befall mit dem Buchdrucker einher. Hier hilft nur weiteres Beobachten.

 

Sprechen Sie aktiv WaldbesitzerInnen an, wenn Sie in deren Bestand befallene Bäume entdecken oder können diese sich bei Ihnen melden?

 

Ja, das Ansprechen ist in den letzten Monaten der Schwerpunkt meiner Arbeit.

Aber nicht nur ich versuche einen Kontakt mit den WaldbesitzerInnen herzustellen, sondern viele Betroffene melden sich auch direkt bei mir oder bei der FBG Nümbrecht.

Vor Ort schauen wir uns dann den Schaden an und besprechen notwendige Maßnahmen.

 

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag in den letzten Monaten aus?

 

Ortstermine, Ortstermine, Ortstermine! Nur so kann ich mit den Eigentümern vor Ort auf deren Fragen reagieren. Absprache oder Beratung am Telefon sind nicht zielführend.

Ich versuche immer wieder, mit den WaldbesitzerInnen einen gemeinsamen Termin zu vereinbaren. Das ist mitunter schwierig, da mittlerweile viele ihren Arbeits- und Lebenskreis in anderen Regionen Deutschlands haben.

 

Wird aktuell auch nicht befallenes Holz geerntet?

 

Nein, das würde überhaupt keinen Sinn machen. Erstens sind die Preise für Fichtenholz „im Keller“ und zweitens liegt meine Priorität in der Aufarbeitung des Schadholzes.

Ich werde zwar immer mal wieder auf die Nutzung von Frischholz angesprochen, da einige WaldbesitzerInnen Sorge um ihren Bestand haben.

Auch hier rate ich den WaldbesitzerInnen, dass sie regelmäßig ihre Parzellen auf Schäden hin überprüfen sollen.

Ich rechne in diesem und im nächsten Jahr weiterhin mit einem hohen Schadniveau. Das wird den Holzpreis weiter unter Druck setzen.

Wenn diese Kalamität mal ein Ende haben wird, wird sich der Holzpreis hoffentlich schnell erholen.

 

Kommen die Forstunternehmen zügig voran oder sind diese ausgelastet?

 

Die Unternehmer sind ausgelastet.

Wir setzen schwerpunktmäßig Harvester ein. Durch die mechanische Aufarbeitung wird ein Großteil der Rinde schon geschält. Die Andruckwalzen vernichten einen Teil der bereits eingebohrten Käfer bzw. deren Larven.

Natürlich kann der Unternehmer nicht gleichzeitig mehrere Baustellen bearbeiten.

Wir müssen täglich entscheiden, welche Sortimente aktuell absetzbar sind und welcher Bestand diese Anforderung erfüllt. So erfolgt dann auch der Einsatz.

Ferner ist der Wegezustand häufig ein Kriterium, welche Parzelle wir gerade bearbeiten können.

Wir müssen Sorge tragen, dass auch bei feuchter Witterung das Holz abgefahren werden kann. Häufig spielt hier der Termindruck, gerade bei Export Holz, eine große Rolle. Das führt dann leider auch immer wieder zu Schäden am Wegekörper.

Da bitte ich vor allem die Waldbesucher um Verständnis.

 

Wohin bringen Sie die gefällten Bäume?

 

Bei den Rückearbeiten versuchen wir, die Stämme in der Örtlichkeit zu konzentrieren, um Kleinstpolter zu vermeiden.

Da, wo es möglich ist, rücken wir das Holz vom Bestand weg.

Ein Abtransport auf Sammelplätze würde für hohe Zusatzkosten sorgen: Jeder Festmeter würde zusätzlich mit 8 bis 10 € belastet werden.

Zudem, und auch das ist ein wichtiges Argument, sind Fuhrkapazitäten nur sehr begrenzt verfügbar.

 

Setzen Sie Insektizide ein? Wenn ja, wie? Können das auch Privatpersonen durchführen?

 

Nein, derzeit werden hier keine Insektizide eingesetzt.

Ich werde schon mal von betroffenen Waldbesitzern gefragt, ob sie nicht selber Chemie einsetzen dürfen. Das muss ich verneinen.

Durch unsachgemäßen Umgang mit solchen Gefahrstoffen setzt man sich und anderen großen Gefahren aus.

Es handelt sich um ein Kontaktgift, das nur mit spezieller Schutzausrüstung und entsprechenden Gerätschaften auf das Holz aufgetragen werden darf.

Das Pflanzenschutzgesetz regelt eindeutig, dass Insektizide nur von Personen ausgebracht werden dürfen, die über einen aktuellen Sachkundenachweis verfügen.

Häufig haben wir Kleinstmengen von betroffenem Holz, und diese liegen dann auch oft nah an Gewässern. Da ist die Gefahr groß, dass durch das Begiften der Polter die Umwelt zusätzlich Schaden nimmt.

Ich rate den Waldbesitzern, die aktiv was tun wollen, ihr befallenes Holz zu schälen.

Die Rinde muss dann mit einer Plane abgedeckt werden, wenn die Käfer schon im „braunen Stadium“ sind und kurz vor dem Ausflug stehen.

Wenn weiße Larven erkennbar sind, reicht es, die Rinde offen liegen zu lassen. Damit kann schon mal ein Teil der Population im Bestand vernichtet werden.

Der Befall lässt sich durch kleine Bohrlöcher und austretendes braunes Bohrmehl erkennen.

Bei Unsicherheit auch hier wieder den Förster kontaktieren.

 

Wie gehen Sie mit betroffenen Beständen um, deren Eigentümer kein Geld für den Arbeitseinsatz eines Forstunternehmers aufwenden?

 

Ich versuche die Maßnahmen so abzuarbeiten, dass entstehende Kosten durch den Unternehmer mit einem zeitnahen Verkauf des Holzes einhergehen. Unternehmerrechnungen gehen an die FBG, die dann vorfinanziert. Das kann aber nur in einem bestimmten Umfang erfolgen, da die Kapitaldecke unserer FBG nicht unendlich ist.

 

Sind die Maßnahmen kostendeckend oder mit Gewinn oder Verlust verbunden?

 

Ich versuche den Unternehmereinsatz für den Waldbesitzer oder die Waldbesitzerin so zu steuern, dass dieser kostendeckend ist. Bei einem Preiseinbruch von über 50% ist das natürlich nicht leicht. Wenn dann die Unternehmerkosten und Gebühren heruntergerechnet werden, verbleibt nicht mehr viel.

Abschnitte oder Stammholz für die heimische Sägeindustrie oder Exportholz sind derzeit noch mit einem kleinen Gewinn abzusetzen. Und ich meine kleinen Gewinn.

Qualitativ schlechtes Holz, also Holz, das krumm, grobastig und rotfaul ist, kann derzeit kaum noch kostendeckend vermarktet werden.

Damit jedoch nicht zu viel Restholz auf der Fläche verbleibt, werden zu den Abschnitten oder dem Stammholz die anfallenden Koppelprodukte mitaufgearbeitet.

 

Was empfehlen Sie WaldbesitzerInnen, die selber fällen?

 

Waldarbeit ist mit einem hohen Unfallrisiko behaftet. Wer als Neuling aktiv werden möchte, dem kann ich nur dringend empfehlen, es nicht zu tun.

Nur Personen mit entsprechender Erfahrung im Umgang mit der Motorsäge können sich an solch gefährliche Arbeit begeben. Und niemals allein arbeiten!!

Wenn WaldbesitzerInnen ihr Holz selber aufarbeiten und es am Markt platzieren wollen, muss er/sie sich unbedingt vorher informieren, wie das Holz aufzuarbeiten ist.

Ich habe es in letzter Zeit häufiger erlebt, dass Holz angeboten wurde, welches in dieser Form gar nicht vermarktungsfähig war.

Wenn dann nicht nachgearbeitet werden kann, bleibt dem Eigentümer nur noch die Möglichkeit, das Holz für sich selber zu nutzen.

 

Normalerweise sieht man Holzpolter längere Zeit im Wald liegen. Erfolgt der Abtransport aktuell schnell genug, damit der Buchdrucker von dort aus nicht ausschwärmen kann?

 

Wir versuchen, eine zeitnahe Abfuhr zu organisieren. Aber ich muss auch zugeben, dass es leider nicht immer gelingt.

Die Sägekapazitäten und gerade die Fuhrkapazitäten reichen nicht aus, um diese Mengen an Holz kurzfristig abzufahren.

Bei einem Zeitfenster von 10 bis12 Wochen - so lange dauert die Entwicklung des Käfers- ist es nicht immer möglich, das Holz vor dem Ausschwärmen aufzuarbeiten, zu verkaufen und abzufahren.

Deshalb möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass der Einsatz einer Vollerntemaschine von Vorteil ist, da im Aufarbeitungsprozess ein Teil der Rinde abgeht und bereits eingenistete Käfer und Larven teilweise zerstört werden.

Befallene Einzelbäume werden, wie gesagt, am besten geschält.

 

Muss die Fichte bei uns aufgegeben werden?

 

Das hängt maßgeblich von der weiteren Entwicklung unseres Klimas ab.

Auf Extremstandorten wird es die Fichte auf jeden Fall immer schwerer haben, sich zu behaupten. Dazu, wie das im Detail aussehen könnte, kann ich keine Prognose abgeben. Die Fichte jetzt zu verteufeln, halte ich jedoch für unangebracht.

Auf gut wasserversorgten Böden wird sie auch zukünftig ihre Daseinsberechtigung haben.

Wichtig für den Waldbesitz ist der Aufbau klimastabiler Wälder, d.h. Verwendung von Baumarten, die mit Wetterextremen besser zurechtkommen als derzeit unsere Fichte.

Betroffene WaldbesitzerInnen sollten sich vor einer geplanten Wiederaufforstung vom Förster beraten lassen.

Das ist ein sehr komplexes Thema, bei dem es auch um Fördermöglichkeiten geht. Das sollten wir in einem unserer nächsten Gespräche genauer beleuchten.

 

Herr Haase, wir bedanken uns recht herzlich für Ihre interessanten Informationen und die Einblicke in die gegenwärtige Situation!

 

Ich danke für das Gespräch.

 

Malte Haase

 

24. Mai 2019